Bioshock 2

Ein Shooter mit Tiefgang

Seite 2: Geschwisterkampf

Geschwisterkampf
Wenn ihr nämlich schon die Big Daddys aus dem ersten Teil für furchteinflößend gehalten habt, dann wartet erst einmal, bis ihr zum ersten auf eine Big Sister trefft - gegen diese wirken die Bog Daddys nämlich wie die reinsten Kuscheltiere (was aber wohl auch daran liegt, dass ihr selbst in der Rolle des Big Daddys natürlich auch ungleich stärker seid als im ersten Teil und es so besser mit diesen Kolossen aufnehmen könnt). Big Sisters sind ehemalige Little Sisters, die genau wie ihre großen Vorbilder in einem hochgerüsteten Kampfauszug stecken und euch nach dem Leben trachten. Nur sind diese längst nicht so behäbig wie die Big Daddys und setzen euch mit ihrer katzenhaften Agilität und ihren Plasmiden gehörig zu. Jeder Auftritt einer Big Sister wird durch ein schrilles Kreischen angekündigt und während eurer Reisen werdet ihr oft merken, wie ihr von einer Big Sister beobachtet werdet, was noch weiter zur beklemmenden Atmosphäre des Spiels beiträgt.

Und auch wenn die allgemein vorherrschende Stimmung des Spiels noch die gleiche ist. So hat sich beim Gameplay dann doch einiges getan. Noch immer ist Bioshock vor allem ein Taktikshooter, bei dem es weniger auf Geschick und Präzision und vielmehr auf cleveren und sparsamen Einsatz von Waffen, Munition und Plasmiden ankommt. Und vor allem die Waffenauswahl ist in Bioshock 2 absolut gelungen. Als Big Daddy habt ihr natürlich Zugriff auf wesentlich kraftvollere Waffen als noch im ersten Teil. Vom Nietenwerfer, über die Schrotflinte, die Harpune, bis hin zum Raketenwerfer. Die Auswahl ist echt klasse gelungen und jede einzelne Waffe macht auf ihre ganz eigene Weise Spaß und kommt mit gleich 3 Munitionstypen daher. Darunter zum Beispiel auch Kontaktminen, Fallennieten oder panzerbrechende Munition. Sobald ihr eure Plasmide oder Waffen wechselt, wird das Spiel übrigens kurzzeitig pausiert, was euch Zeit zum nachdenken gibt. Nun müsst ihr natürlich aber nicht fürchten, dass ihr so mächtig ausgestattet seid, dass euer Trip durch Rapture ein Spaziergang wird - ganz im Gegenteil! Zwar fühlt sich das Spiel tatsächlich ein wenig leichter an als der Vorgänger, aber konstante Munitionsknappheit und aggressiv agierende Splicer sorgen dafür, dass ihr euch immer noch um euer Überleben Sorgen machen müsst.

 


Raptures Bewohner haben fast jegliche Menschlichkeit verloren

 


Neben den Waffen sind natürlich auch wieder die Plasmide mit von der Partie. Diese Genmutationen erlauben es euch zum Beispiel Flammen zu werfen, Elektroshocks zu verteilen, Objekte per Telekinese umherzuwirbeln oder für kurze Zeit unsichtbar zu werden. Ergänzt wird euer Plasmidarsenal dann auch noch durch Gentonika, die euch passive Fähigkeiten verliehen, etwa eine höhere Geschwindigkeit oder kürzere Alarmzeiten. Allerdings stehen euch für diese Plasmide und Tonika nur eine begrenzte Anzahl an Slots zur Verfügung (die sich im Laufe des Spiels erweitern lässt) und so müsst ihr klug entscheiden, welche Genveränderungen ihr beibehalten wollt. Allerdings könnt ihr eure "Genkonfiguration" an großzügig in den Levels verteilten Gendatenbanken verändern. Gepaart mit dem vielfältigen Waffenarsenal sind so eine Menge Taktiken möglich. Und so ist es meist euch überlassen, wie ihr eine Situation angeht, was für eine tolle Gameplayvarietät sorgt und zum erneuten Durchspielen motiviert. Auch hier vermag es Bioshock 2 mal wieder, gewöhnliche Shooter in den Schatten zu stellen.

Mein Freund, der Roboter
Neben dem aufgebessertem Arsenal kann Bioshock 2 aber noch mit weiteren Gameplayneuerungen glänzen. So wurde zum Beispiel das Minispiel beim hacken von Sicherheitsapparaturen durch ein kurzes Reaktionsspiel ersetzt, das euch nicht mehr aus dem Spielgeschehen herausreißt. Generell sind jetzt auch alle Verkaufsautomaten hackbar und locken mit einem kleinen Bonus, sofern ihr euch gut genug beim Reaktionsspiel erweist. Auch lassen sich Objekte dank einer neuen Waffe nun auch aus der Ferne hacken. Und wer will kann nun dank eines Gen-Tonikums auch eine ganz persönliche Beziehung zu seinen gehackten und so für sich nutzbar gemachten Sicherheitsdrohnen eingehen. Dieses Tonikum erlaubt euch nämlich eure Drohnen zu reparieren und sie erhalten dabei gleichzeitig noch einen Eigennamen.

Und auch ein Gameplayelement, dass vor allem im Mehrspielermodus sich in letzter Zeit großer Beliebtheit erfreut hat, ist in Bioshock vertreten. Die Rede ist von dem so genannten Horde- oder Onslaught-Modus, in dem ihr einen bestimmten Punkt vor einer Horde von Feinden verteidigen müsst. Um möglichst viel Adam zu erhalten, dass euch erlaubt neue Plasmide und Tonika zu erwerben, reicht es nämlich nicht mehr, einfach nur einen Big Daddy zu besiegen und deren Little Sister entweder zu retten oder auszuweiden, nein diesmal müsst ihr die Little Sister sogar zeitweise selber adoptieren und bei ihrer Adam-Suche unterstützen. Sobald diese nämlich eine Adam-reiche Leiche erspäht hat und mit ihrer Spritze munter drauf los piekst, stürmen von allen Seiten Splicer herbei, die sich das Adam unter den Nagel reißen wollen. Es gilt also eure kleine Begleiterin vor den Bösen Mutanten zu beschützen. Glücklicherweise könnt ihr vorher noch Verteidigungsmaßnahmen treffen und zum Beispiel Fallen verteilen und Geschütze auslegen.

 


Der neue Brute-Splicer kann ordentlich zupacken



Hat die Little Sister erfolgreich ihren Job getan, stellt sich wieder die Frage: Ausweiden oder erlösen? Rettet ihr die Little Sister vor ihrem Schicksal als umherwandernde, seelenlose Erntemaschine, so erhaltet ihr weniger Adam, könnt euch aber der Unterstützung der anderen Sisters gewiss sein. Wollt ihr lieber mehr Macht und Plasmide besitzen, weidet ihr die Sister aus. Natürlich hat euer Handeln auch diesmal wieder ein Einfluss auf das Ende der Story. Und nicht nur die Little Sisters stellen euch in Bioshock 2 vor ein moralisches Dilemma. Im Laufe des Spiels werdet ihr noch anderen Charakteren begegnen, über deren Leben ihr zu walten habt. Verschont ihr diejenige Person, könnte sie sich später dankbar erweisen, könnte euch aber genauso gut in den Rücken fallen. In Rapture ist halt nicht alles schwarz oder weiß und so vermag es der zweite Teil diesmal sogar vielmehr eure Moral auf die Probe zu stellen, denn diesmal sind die Konsequenzen eures Handelns etwas weniger vorhersehbar und so stellt euch das Spiel an manchen Stellen vor eine echte Gewissensfrage.



 

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